Sommerzeit ist Giardienzeit! Aber nicht nur in den warmen Monaten ist dieser Parasit im Innenleben unserer vierbeinigen kleinen Freunde unterwegs.
Giardien sind Darmparasiten, die sich über Monate in der Darmschleimhaut von Frettchen einnisten können, ohne ihrem Wirt größere Probleme zu bereiten.
Erst Anzeichen eines Befalls sind u.a. wiederkehrende (oftmals grünliche körnige) Durchfälle, die aber meist nach 1 oder 2 Tagen von selbst wieder verschwinden und den Dosenöffnern vorgaukeln, dass es sich um einen vorübergehenden Infekt gehandelt hat.
Giardien selbst verursachen keine Symptome, sondern durch den Befall mit diesen, wird der Haushalt der Darmflora gestört und Sekundär-Infekten durch Viren und Bakterien Tür und Tor geöffnet.
Zunächst wird das Abwehrsystem der Frettchen noch selbst mit diesen Sekundär-Infekten fertig. Meist verschwinden die Durchfälle nach sehr kurzer Zeit von allein wieder. Hierin liegt die Gefahr, Giardien nicht zu erkennen.
Kommt es dann irgendwann einmal z.B.
durch einen Ortswechsel,
ein neues Tier in der Gruppe,
eine andere Krankheit, die die Immunabwehr des Frettchens schwächt
zu Stress, vermehren sich Giardien explosionsartig.
Die erkrankten Tiere leiden dann unter (schweren) grünlichem ,teils auch blutigem Durchfall evtl. auch Erbrechen. Diese Symptome verschwinden dann nicht mehr von allein, sondern müssen vom Tierarzt mit Antibiotika behandelt werden. Da die Durchfälle zu einer Dehydrierung des betroffenen Frettchens und damit zum Tode führen können, ist ein Gang zum Tierarzt unausweichlich!
Da Giardien nicht im Zuge der Antibiose abgetötet werden, müssen alle (auch die nicht erkrankten Tiere der Gruppe) mit einem Mittel gegen Darmparasiten behandelt werden. Die 1. Wahl hierfür ist Panacour, welches beim Tierarzt in Form von Tabletten oder als Lösung zum Eingeben erhältlich ist. Die Therapie dauert 2x 5 Tage mit einer dreitägigen Unterbrechung. Man benötigt etwa 1ml pro Tag/Tier. 100ml Panacour kosten ca. 15 €.
Da das Medikament u.a. das bakterielle Gleichgewicht der Darmschleimhaut stören kann, sollte man nach der Behandlung helfen, diese wieder aufzubauen.
Dazu kann man beim Tierarzt „lebende Bakterien“ in der Tube wie z.B. Bene Bac erstehen oder aber die Frettchen mit Natur-Joghurt mit LEBENDEN Kulturen (z.B. von Onken) füttern.
Da Giardien nicht nur in den Toiletten lauern und hoch ansteckend sind, müssen die Unterkünfte und alle Lauf- und Aufenthaltsflächen mit heißem Wasser (z.B. einem Dampfreiniger) gereinigt und alle Kuscheltücher etc. bei 95 °C gewaschen werden.
Mit Giardien verhält es sich wie mit Ohrmilben…!
Auf einmal sind sie da und niemand weiß so richtig, wo die Frettchen sie sich eingefangen haben. Erwiesen ist, dass sich unsere Mini-Marder über Futtertiere, beim Spaziergang in Feld und Flur und natürlich auch bei anderen Frettchen (wahrscheinlich aber auch bei Hunden und Katzen) infizieren können.
Wegen des langen Zeitraums der vergeht, bis sich erste Symptome zeigen, lässt sich das meist nicht mehr feststellen.
Ist man sich unsicher, ob die eigenen Fretts tatsächlich infiziert sind, besteht die Möglichkeit den Kot der Frettchen in einem Labor untersuchen zu lassen.
Dazu ist es notwendig von mindestens 3 (!) Tagen Kotproben aller Tieren der Gruppe zu sammeln, da nicht bei jedem Stuhlgang Giardien abgehen. Den Kot kann man entweder selbst zu einem Tierlabor (z.B. Exomed) schicken oder dies durch den Tierarzt erledigen lassen. Manche Tierärzte bieten auch einen Giardien-Schnell-Test an, so dass man noch am selben Tag Gewissheit bekommt.
Wichtig ist nur, dass etwas getan wird und dass man immer ein Auge auf Veränderungen im Verhalten, in der Futteraufnahme und auch Futterverwertung hat und bei Auffälligkeiten frühzeitig reagiert.